Warum sollte ich meine Werte kennen?

Entsprechend der eigenen Werte zu handeln wird von unserem Gehirn belohnt und motiviert uns. Ziele, die mit unseren Werten vereinbar sind, können wir leichter erreichen.

3/24/20252 min read

Werte lösen eine starke motivationale Kraft aus. Unser individuelles Werteprofil entsteht im Laufe unserer Lebensgeschichte und ist in besonderem Maße identitätsstiftend. Wenn für dich bspw. Fairness eine hohe Priorität hat, motiviert dich die Aussicht, fair behandelt zu werden und andere Menschen fair zu behandeln. In einem Umfeld, in dem Fairness keinen hohen Stellenwert hat, kommt es höchstwahrscheinlich zu Spannung, Enttäuschung, Wut, Frust oder Konflikten mit anderen Menschen.

Anders als Normen, sind Werte auch in der Abwesenheit von Sanktionen (positiv, etwa Lob oder negativ, etwa Geldstrafe oder Missbilligung) verhaltenswirksam. Um bei dem Beispiel Fairness zu bleiben, so würdest du bspw. auch dann bei einem Gesellschaftsspiel nicht schummeln, wenn die Mitspieler:innen gerade den Raum verlassen haben. Für dein Verhalten ist der persönliche Stellenwert von Fairness entscheidend, nicht die Frage, ob es eine soziale Norm ist bei einem Gesellschaftsspiel nicht zu schummeln. Entscheidend ist nicht, dass dich deine Mitspielenden sanktionieren indem sie dich zur Rede stellen, schief anschauen oder sogar aus dem Spiel ausschließen. Entscheidend ist, dass Fairness eine hohe Priorität für dich hat.

Unser individuelles Werteprofil ist also verhaltenswirksam. Bis heute ist allerdings umstritten, wie viel Spielraum tatsächlich für Individualität in der Wertesozialisation besteht und wie dominant eine bestehende Kultur ihre Werte (z.B. bezüglich der Bedeutung von Demokratie, Autorität oder Glaube) weiterreicht.

Bekannt sind dagegen die neurobiologischen Grundlagen. Demnach liegt das neuronale Zentrum unseres Wertesystems im orbifrontalen Neocortex. Wenn dieser aufgrund einer entsprechenden Hirnschädigung ausfällt, verliert der Mensch die Fähigkeit zu geplantem und kontrollierten Handeln. Triebhaftes Verhalten wird dominant. Ist das Wertesystem intakt, gibt es Menschen daher die Fähigkeit, sich in ihrem Handeln über triebhafte Impulse hinwegzusetzen.

Verinnerlichte Werte steuern unser Handeln auch über ihre emotionale Verankerung im neuronalen Gratifikationszentrum, dem nucleus accumbens, der wertkonformes Verhalten mit Dopaminausstoß belohnt. Unter Zeitdruck oder bei Zielkonflikten bieten verinnerlichte Werte die Möglichkeit ohne großen Kognitionsaufwand bestimmte Handlungsalternativen von vorneherei als mit den eigenen Überzeugungen unvereinbar auszusortieren.

In Entscheidungssituationen, bei Zielkonflikten und bei der Formulierung eigener Ziele und der Gestaltung der eigenen Zeit, setzen Menschen entsprechend Prioritäten: welche Werte sind mir wichtiger als andere?

Neben diesem Ranking von Werten, gibt es eine andere wissenschaftliche Strömung, die auf eine separate Bewertung bzw. Rating von Werten (etwa von 1 bis 5) abzielt. Die Vertreter des Ranking-Ansatzes begründen ihre Herangehensweise damit, dass man Wertprioritäten nur ermitteln kann, wenn man mit einem Wertkonflikt konfrontiert ist. Einer Situation also, in der man sich zwischen zwei Werten entscheiden muss. Um es an einem plakativen Beispiel zu verdeutlichen: wähle ich beim Bäcker die Sahnetorte für den Genuss oder entscheide ich mich für das Vollkornbrötchen, die Gesundheit.

Konform zu den eigenen Überzeugungen zu handeln, ist eine wesentliche Determinante des Selbstwertgefühls und aus diesem Grund ein starker Motivator. Das lässt sich insbesondere nachfühlen, wenn du dich in einem Umfeld gegen das Verhalten der anwesenden Menschen entscheidest und für ein Verhalten, dass deinen Werten entspricht. Positive Beispiele lassen sich in mutigen Aktionen von Zivilcourage finden.

Mit den eigenen Werten als Kompass zu handeln wird von unserem Gehirn belohnt und motiviert uns.
Werte bilden sich im Laufe unseres Lebens aus und sind durch unser Umfeld beeinflusst.
Ziele, die mit unseren Werten vereinbar sind, können wir leichter erreichen.